Die Hand - ein lebendiges Horoskop

Handlesen und Astrologie haben viel gemeinsames und werden in gewissen Kulturen sogar als "dasselbe" gesehen. Erzählt man z.B. einem Inder, dass man Astrologe ist, wird er einem sofort seine Hände entgegenstrecken und um eine "Vorhersage" bitten.

Ein wichtiger gemeinsamer Nenner zwischen den beiden sind die gemeinsamen Namen und Bezeichnungen. Denn die Finger, die Linien und die verschiedenen Räume der Handfläche tragen Planetennamen, wie "Saturnfinger", "Merkurlinie", "Venusberg" usw. Aber es gibt natürlich auch entscheidende Unterschiede. Das Wissen um die astrologischen Gesetzmässigkeiten ermöglicht Voraussagen auf kollektiver Ebene wie z.B. Erdbeben oder Bewegungen auf der Börse, - was völlig ausserhalb der Möglichkeiten eines Handlesers liegt. Hingegen erzählen die Hände über Konstitution und Psyche sowie über ganz konkrete und erdnahe Verhältnisse des Einzelnen, d.h. über Tatsachen, die der Astrologe höchstens andeutungsweise beschreiben kann, - es sei denn, seine Intuition kommt ihm zu Hilfe.

Die Zeichen, d.h. Widder, Stier, Zwillinge usw., die ja zu den wichtigsten "Bausteinen" des Horoskopes gehören, lassen sich nicht unmittelbar aus den Händen erfassen. Dafür sind die Elemente sofort sichtbar: Die Luft drückt sich z.B. durch beweglich/geschmeidige, das Wasser durch weich/feuchte Hände aus, das Feuer zeigt sich in starken elastischen Muskeln und die Erde in Festigkeit oder Regelmässigkeit.

Die Orientierung im Raum ist dieselbe. In der Hand lässt sich - wie im Horoskop - zwischen dem "Tagesbogen" oder "Individualraum" (im Horoskop über dem Horizont) und dem "Nachtbogen" oder "Kollektivraum" (unter dem Horizont) unterscheiden. Und auch die Hand kann in eine "Ichseite" (Im Horoskop der Osten, die Seite des Aszendenten) und eine Duseite (Westen, Deszendenten) geteilt werden.

Laien sind oft der Meinung, Handlesen sei vor allem "Linien lesen". Doch die Erfahrung zeigt, dass sich der Handleser meistens irren wird, wenn er sich allein auf die Linien konzentriert. Um einen ganzheitlichen Eindruck vom Wesen und Leben der Person zu bekommen, muss man zuerst Knochenbau, Muskulatur und Hautstruktur untersuchen. Und wenn man wissen möchte, was im Leben des Betreffenden zur Zeit ansteht, sollte man die sogenannten "Meldungen" beachten. Eine Meldung ist ein Signal an den Handleser und besteht vor allem aus Fingerringen, Schrammen oder Narben. Oft entstehen die Meldungen erst während des Handlesens, indem das eine oder andere Gebiet plötzlich durch eine Bewegung oder eine Verfärbung auf sich aufmerksam macht, d.h. das Unbewusste des Ratsuchenden tritt direkt mit dem Handleser in Kontakt.

Wie aus der Zeichnung hervorgeht, entspricht der Daumenbereich dem Gebiet des Aszendenten und des 1. Hauses, Der Daumen zeigt, wie man "eingreift" und "angreift". Der Zustand des Daumens entspricht dem Zustand des Aszendenten und ist dafür "verantwortlich" wie man funktioniert. Ist der Daumen beschädigt, z.B. durch Verletzungen oder Schrammen, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Vitalität angeschlagen ist, der/die Betreffende ist krank oder mindestens geschwächt und somit in seiner/ihrer Entfaltung eingeschränkt - wie wenn der Aszendent "verletzenden" Aspekten ausgesetzt wird.

Der untere Daumenbereich entspricht dem 2. Haus, dem Bereich der Ressourcen im weitesten Sinne. Verletzungen an dieser Stelle zeigen, dass der/die Betreffende mit dem Kräftehaushalt Schwierigkeiten hat, die Energien werden nicht zweckmässig eingesetzt, "die Dosierung ist unangemessen". Ich erinnere mich an eine Frau, die an dieser Stelle starke Markierungen hatte. Sie setzte dies mit ihren Schwierigkeiten beim Tennisspielen in Verbindung: "Ich habe Mühe zu beurteilen, wieviel Kraft es jeweils braucht. Meine Bälle sind entweder zu kurz oder zu lang".

Nun, das 2. Haus beschreibt ja nicht nur die physischen Ressourcen, sondern auch die Territorialverhältnisse, "welchen und wieviel Platz einem zur Verfügung steht", sowie das, was sich auf diesem Territorium befindet, z.B. Besitztümer, Haustiere, Familienmitglieder, Angestellte, usw. Diese Verhältnisse zeigen sich auf dem Daumenmuskel, dem sogenannten Venusberg. Meldungen in diesem Bereich zeigen Veränderungen im Familienleben und in den Platzverhältnissen.

Umzüge zeigen sich hingegen in der Basis, in der Wurzel der Hand, die dem 4. Haus entspricht. Und sollte das ganze Gebiet, d.h. 2., 3., und 4. Haus gleichzeitig aktiviert sein, dann dreht es sich um eine fundamentale Veränderung, um eine "Erweiterung des Standortes", - je nach begleitenden Zeichen z.B. um Familienzuwachs oder Geschäftsgründung. Eine solche Aktivierung zeigt sich oft dadurch, dass das Blut im untersten Venusberg kräftig pulsiert. Infolge der Farbe der Adern erscheint die Meldung blau. Die blaue Farbe wiederum tritt dort auf, wo es sich um durchgehende oder andauernde Aktivität handelt. Im Gegensatz zur z.B. roten Farbe, die über akute Situationen berichtet.

Das 5. Haus, "Kinder, Spiel und Experimente" entspricht dem untersten Teil des sogenannten Mondberges. "Kunst, Geist und Drama" sind ein paar Stichworte zu diesem Gebiet der Hand. Und die Praxis zeigt, dass sich der Mondberg oft in den "Künstlerhänden" meldet, vor allem bei Malern und Dichtern und vor allem, wenn die Themen Abenteuer, Mythen und Mystik angesprochen sind. Kinder "zeigen sich" an verschiedenen Orten in den Händen, so wie sie sich übrigens auch an verschiedenen Stellen im Horoskop zeigen können. Auf dem Mondberg erscheinen vor allem sogenannte "Problemkinder", Kinder, die eine besondere Herausforderung darstellen. Kinder als Teil des "Inventars" und des täglichen Haushaltes finden sich, wie gesagt, auf dem Venusberg, bzw. im 2. Haus. Doch Kinder zeigen sich auch beim Kleinfinger, als "zukünftige, noch unbekannte" Kinder.

Die Handkante auf der Duseite erzählt wie das entsprechende Gebiet im Horoskop über die Anpassung und Einordung in bezug auf Umwelt und Gesellschaft. Meldungen beziehen sich entsprechend meistens auf Zusammenarbeit und auf das Verhältnis zu Organisationen und öffentliche Einrichtungen. Persönliche Machtkämpfe zeigen sich im Raum des 7. und 8. Hauses. Hier erlebt man Konkurrenz oder dass "einem der Rang streitig gemacht wird". Eine Kursteilnehmerin, die hier eine frische, rote Schramme hatte, sagte dazu: "ich habe eben den Verdacht, dass es meine Sekretärin auf meine Stelle abgesehen hat. Sie schnüffelt in meinem Computer herum und belauscht meine Telephongespräche. Sie versucht offensichtlich mehr Kontrolle zu bekommen". Oberhalb dieser Stelle, im Gebiet des 8. Hauses, verraten die Meldungen Rechtstreit oder Probleme mit den Behörden, z.B. mit dem Finanzamt.

Das 9. Haus wird klassisch astrologisch mit "Erweiterung der Horizonte", "weitergehenden Ausbildungen" und "Publikationen" verbunden. Dies entspricht den Erfahrungen aus dem Handlesen, denn das entsprechende Gebiet unter Klein- und Ringfinger ist dann aktivt, wenn sich die Leute "umsehen" und "die Möglichkeiten der Zukunft" untersuchen. Ein Beispiel liefterte der Mann, der an einem Manuskript arbeitete. Als er fragte, ob er dadurch weltberühmt werden würde, zog sich das Blut von der entsprechende Stelle weg, sodass ein weisser Fleck entstand. Weiss bedeutet "keine Aktivität" (keine Energieversorgung), so war die Antwort: "Dein Projekt ist auf Eis gelegt".

Der Mittelfinger kann als MC verstanden werden. Er verlängert die Mittelachse der Hand und erzählt über das innere Lot, über den Standort und über die Stellung im Verhältnis zur Umgebung. Das Mittelfingergebiet beschreibt sowohl das Grundlegende als auch das Entscheidende. Wenn im Horoskop das MC aktiviert wird, ist gleichzeitig das IC, die 4. Hausspitze, aktiv. So ist es auch im Handlesen: Das Mittelfingergebiet betrifft auch die Wohnung, - das Haus wird umgebaut oder ein Umzug steht an.

Der Zeigefinger ist der Finger des Individuums. Der Zeigefinger beruht auf persönlichen Allianzen und Verbindungen - im Gegensatz zum Ringfinger, der auf dem Verhältnis zur Gesellschaft beruht. Der Zeigefinger wählt die Menschen aus, von denen er sich Nutzen verspricht und geht persönliche Verbindungen "gentlemen´s agreements" ein. (Der Ringfinger geht juristisch bindende Verträge ein). Das Gebiet entspricht dem 11. Haus der "Freunde und Interessegemeinschaften". Im 11. Haus finden sich auch die Idealvorstellungen. Dies entspricht der Urteilsfähigkeit des Zeigefingers, er entscheidet, was richtig und was falsch ist, was brauchbar und was unbrauchbar ist. Eine indische Regel besagt, dass das 11. der Raum des "Nettoprofites" ist und interessanterweise meldet sich beim Zeigefinger auch Geld - besonders Gewinne.

Das 12. Haus befindet sich zwischen Daumen und Zeigefinger, dort wo sich Lebenslinie und Kopflinie begegnen (die Linie um den Venusberg und die Linie, die mehr oder weniger quer durch die Handmitte verläuft). Wenn in diesem Bereich Verletzungen auftreten, ist der/die Betreffende oft "handlungsgelähmt", d.h. nicht imstande, Initiativen zu ergreifen, d.h. wiederum er/sie befindet sich in einer Phase, wo Rückzug angesagt ist, um die eigenen Truppen neu zu organisieren - mental und/oder physisch.

Im Horoskop erzählen die Winkel, die Aspekte, zwischen den Planeten über das Verhältnis zwischen den einzelnen Häusern. Auch im Handlesen gibt es eine Art "Aspekte" zwischen den verschiedenen Räumen, da die einzelnen Gebiete durch Linien oder gleichzeitige Meldungen miteinander verbunden werden. Verbindet sich der unterste Mondberg ("5. Haus") mit dem Mittelfinger ("10. Haus"), wird das Hobby, z.B. Archäologie oder Tiefenpsychologie die Berufswahl beeinflussen. Verbindet sich der Mittelfinger hingegen mit dem Venusberg, steht der Beruf eher mit Wohnung und/oder Familie in Zusammenhang, es dreht sich dann oft um einen Familienbetrieb (Bauernhof, Hotel, etc.) Sind Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig aktiviert, dann handelt es sich um eine Person, die Entscheidungen trifft und die die übergeordnete Verantwortung hat. Und um jetzt auf die Kinder zurückzukommen: Bei einer Kundin meldete sich gleichzeitig der Venusberg (Familienmitglieder) und der Kleinfinger (zukünftige, noch unbekannte Kinder). Es zeigte sich, dass sie ein Kind in Afrika adoptiert hatte, dem sie regelmässig Geld schickt. Sie hat das Kind noch nicht gesehen - lediglich eine Photo.

Vielleicht liegt der grösste Unterschied zwischen der Astrologie und dem Handlesen im Unterschied zwischen dem Astrologen und dem Handleser. Der Astrologe nimmt seinen Ausgangspunkt im Himmel, in Berechnungen und Prinzipien und befindet sich in einer abstrakten Wirklichkeit von Möglichkeiten. Er ist auf seine kombinatorische Fähigkeiten und auf seine Intuition angewiesen. Der Handleser orientiert sich an der konkreten Wirklichkeit, an dem was ist und an dem, was geschieht. Er ist auf seine Beobachtungen angewiesen, für ihn gilt zu bemerken, was passiert, wenn´s passiert.

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